mein Besuch des Generalkonsulats der USA in Frankfurt/main
um 10.30 uhr fahre ich ins parkhaus des palmengartens in ffm. das liegt in der gleichen straße wie das us-konsulat. nur ist die weitläufig abgesperrt und das wohngebiet zugeparkt. parken kostet im parkhaus einen euro die stunde, was sehr
dann muss ich mich sputen, denn mein termin wäre eigentlich schon um 10.30 gewesen.
ich reihe mich also hinter die ca 30 wartenden leute vorm konsulat ein und muss auch nur 15 minuten warten, bis ich an der reihe bin. reisepass gezeigt, termin genannt, quittung der visumsgebühr gezeigt, wartekarte mit nummer bekommen, dann noch durch den metalldetektor (wieder mal den gürtel ausziehen müssen) und rein ins gebäude. so leicht ist man auf us-staatsgebiet.
das gebäude ist von innen so wenig ansprechend wie es von außen aussieht. ich stehe unschlüssig herum, weil ich nicht so genau weiß, was jetzt kommt und wie das hier abläuft. ich glaube auch, dass man deswegen eine wartezeit von einer stunde für alle eingerichtet hat. jeder soll selbst dahinterkommen, wie das so läuft. ich nehme also in einem der komfortablen ledersessel statt, die in reihen aufgestellt sind, ähnlich der wartehallen in einem flugahfen. human ist.
dick cheney grinst mich (und 40 andere wartende) leicht dämlich von der wand an, und sagt "vor dem visum kommt das warten." von der fensterfront schaut mich george w. bush an, lacht über mr. cheneys aussge. mr. bush grinst noch einen tick debiler. es ist inzwischen kurz nach elf uhr und ich warte also. der inder neben mir raschlt mir der "bild" und fragt mich, wann mein termin sei. "halb elf war der", antworte ich. und er stöhnt. ich versuche ihm zu erklären, dass ich aber auch erst seit kurzem hier drin bin, weil ich dachte es gäbe keine schlange für mich, denn ich habe ja einen termin *hoho*. er versteht mich nicht und regt sich über die 0190er-nummer (1,85 €/min) auf, über die man telefonisch einen termin ausmachen muss. "20 euro hat anruf gekostet! 20!", flüstert er. "hm...", mache ich um das gespräch zu beenden. ich schaue mich um und sehe, dass es farblich unterschiedliche karten gibt und auch verschiedene nummern. ich rätsel weiter über das hiesige verwaltungssystem. nebenher verfolge ich die lautsprecherdurchsagen dirket über mir, sehe aber meinem 'block' nie jemanden aufstehen. ich mutmaße, dass es sowas wie im supermarkt sein könnte so wie "32 zu 98, bitte." und rein gar nichts mit uns wartenden zu tun hat.
ich bereue es mittlerweile, kein buch mitgenommen zu haben. und stelle um 11.45 uhr auch fest, dass die terminzeiten hier wohl eher circa-richtvorgaben sind. ich glaube nun auch herausgefunden zu haben, dass die durchsagen sich einfach auf den halb links liegenden block wartender bezieht und vermutlich etwas mit 'immigrant-visa' und us-reisepässen zu tun hat. ich schlussfolgere, dass ich im 'non-immigrant'-block sitze, und die papiere der um mich sitzenden bestätigen meine annahme. die haben alle die gleichen wie ich.
dann kommt bewegung in die sache. ein mitarbeiter ruft "die grünen karten eins bis zehn" auf. ich bin und grün und nummer vier! angestellt wird sich im typische us-schlangensystem innerhalb von absperrbändern und wenn man dran ist, geht man zu einem freien der drei schalter. es geht zügig voran.
dadurch, dass man die direkt vor den schaltern ansteht, bekommt man als wartender die geschichten aller anstehender mit, wenn sie dem schalterbeamten erzählt werden. unter anderem auch die verzweifelten versuche eines asiatischen vaters sammt frau und zwei kindern, ein visum für sich und seine familie zu bekommen. es gibt aber sprachliche probleme:
- sir, what visa do you want?
- lllrlrlrrlr, please.
- sir?
- lllrlrlrrlr.
- l or r, sir?
- lllrlrlrrlr!
- sir, lllll or rrrrr?
- lllrlrlrrlr ... rike in rion.
ich muss schmunzeln, die schlange bewegt sich vorwärts, ich bin als nächster dran. vor mir am schalter steht ein mann mit seiner (gekauften) philippinschen ehefrau. er labert die schalterbeamtin zu, dass er keine quittung der gebühren habe, weil die postbank sowas nicht ausgebe. die schalterbeamtin erklärt, dass sowas nicht sein könne. das geht ne ganze weile so, und er spielt sich auf, dass er es ja nicht gewohnt sei, so behandelt zu werden. er wird weggeschickt. ich bin dran. die schalterbeamtin ist sehr freundlich. verdreht noch die augen, von dem deppen vor mir und fragt mich mit us-akzent "glauben sie das? man bekommt doch immer eine quittung, aber er wollte mir das nicht glauben." "man bekommt immer eine. immer.", antworte ich und sie entgegnet "gut, dann bin ich ja froh, dass sie das auch so sehen." wir unterhalten uns, während sie meine papiere auf vollständigkeit prüft.
- wo geht's denn hin?
- nach new orleans.
- ach, wie schön! da haben sie aber glück.
- ja?
- ja! ein schöner fleck, es gibt ja auch furchtpare gegenden.
- auf dem land zum beispiel?
- ja ... in ... den rockies zum beispiel. furchtbar dort!
ich muss lachen und sie gibt mir meine unterlagen und eine gelbe wartekarte, wünscht mir viel spass in den usa, wenn mein visum genehmigt wird.
ich werde nach zehn minuten (schon!) an den nächsten schalter zum interview gerufen. das mädel hinter der scheibe dürfte so alt wie ich sein und ist auch sehr freundlich. zum ersten mal in meinem leben mache ich fingerabdrücke, elektronische, um genau zu sein. 21. jahrhundert eben. linker zeigefinger und dann der rechte. ich bin mir angesichts der geringen anzahl an abdrücken nicht sicher, ob das wirklich oder was das bringen soll. ich muss mich erklären, was ich in den usa wolle, warum ausgerechnet das, was ich studiere, was mache ich nach meinem praktikum, wie finanziere ich das, usw. die kommunikation ist etwas schlecht, denn die gegensprechanlage dürfte so alt wie das gebäude sein und fällt ständig aus. mal höre ich sie neben mir aus dem lautsprecher, mal ganz leise dirket vor mir durch die scheibe. sie hört sich jedenfalls alles an und meint dann nur "wie werden ihr visum genehmigen und innerhalb einer woche zuschicken!" nacheinander freue, bedanke und verabschiede ich mich.
beim rauslaufen sehe ich george w. nochmal, er lächelt und sagt "enjoy your stay!", dann beisst er in eine bretzel.

